St. Peter: die Dorfkirche

Nah und bodenständig zu sein, kurze Wege zu bieten und ein gepflegtes Miteinander mit dem Umfeld zu leben, das ist das Konzept der Dorfkirche St. Peter im Stadtteil Boisheim und der Stadtteilkirche Herz Jesu im Norden Dülkens. Beide Viersener Kirchen sind feste Anlaufstellen in ihren Stadtteilen.

St. Peter ist geprägt von der dörflichen Kultur, liegt die Kirche doch in einem Ortsteil Viersens, der drei bis fünf Kilometer von anderen Stadtteilen entfernt ist. Boisheim hat sich einen dörflichen Charakter bewahrt. Gleichwohl gibt es nur wenige öffentliche Einrichtungen - die Kirche St. Peter ist die älteste.

Die Lage der Kirche

St. Peter
An St. Peter 13
41751 Viersen

Die Geschichte der Gemeinde

In einer Liste der Abgaben an den Xantener Archidiakon aus dem 13. Jh. (vor 1290 geschrieben) ist die Capella in ,,Buyschem“ verzeichnet. Im Abgabenverzeichnis an den Kölner Erzbischof aus 1308 ist ,,Bussem“ Pfarre im Dekanat Süchteln. Um 1320 war ein Priester namens Johannes hier Pfarrer, einer seiner Vorgänger war der Stiftsherr Gerhard de Bell von St. Aposteln in Köln; das Kölner Kloster St. Pantaleon hatte in Boisheim 1304 den Rottzehnten vom Zehntherrn Walram von Kessel, Herrn zu Grevenbroich, als Geschenk erhalten. Der Abt von St. Pantaleon war Kollator der Pfarre, und Pfarrer waren Mönche aus St. Pantaleon. 1589 hatte die Pfarre drei Vikarien, eine zum hl. Petrus, eine zur hl. Anna und eine zum hl. Sebastian. Pfarrer war damals der P. Johannes Ketwigh (+ 1607) und Vikar Heinrich Sartoius Anthonianus. 1804 wurde Boisheim Sukkursale im Kanton Bracht des neuen Bistums Aachen; 1823 kam der Kanton zum Bistum Münster. 1837 wurde Boisheim Pfarre im Dekanat Kempen, 1927 im neuen Dekanat Lobberich. Bei der Neuorganisation des Bistums Aachen in Folge der kommunalen Neuordnung wurde 1973 die Pfarre dem Dekanat Viersen zugeteilt. Zum 1.1.2010 erfolgte die verordnete Einpfarrung in die Katholische Pfarrei St. Cornelius, die gleichzeitig den Namen St. Cornelius und Peter erhielt.

Pfarrer:
Theodor Brockmann (1921-1942), Heinrich Gober (1941/1971), P. Wilhelm Schöler MSC (1971-1987), Milan Papez (1988-2000), Rainer Thoma (2000- 2015), Jan Nienkerke (ab 2015)

Kirchenbücher:
Taufen 1627-1690 und von 1770 an, Heiraten 1620-1639, 1648-1660 und von 1770 an, Verlobungen 1799-1819, Begräbnisse von 1739 an.

Bauten
Pfarrkirche zum hl. Apostel Petrus (Titel: Thronfest zu Antiochien). Die 1487 errichtete Kirche erhielt 1899/1900 im Westen ein Querhaus und einen Turm nach Plänen der Kölner Architekten Carl Rüdell und Richard Odenthal. Jacob Rensing, Köln, malte die Kirche aus. Durch Bomben und Beschuß wurde sie am  28. Februar und 1. März 1945 stark beschädigt. Bis 1954 waren die Schäden behoben. Die neue Ausmalung (1954) ist von Gangolf Minn, Brühl. 1961/62 wurde der Altarraum umgestaltet, am 31. Mai 1962 der neue Altar geweiht.

Es handelt sich um einen Bau aus Backstein, am alten Teil mit Tuffsteinbändern, dreischiffig mit vorgebautem Turm, flankiert von polygonalen Seitenkapellen, dahinter die zwei Joche des Querhauses, dann der dreijochige, pseudobasilikale Altbau, dahinter schmales Chorjoch und in fünf Seiten des Achtecks schließender Chor. 120 Sitz- und 180 Stehplätze.

Glocken: d f g b aus 1922, Stahlglocken, Bochumer Verein. - Orgel: 15 Register, mechanische Traktur Fa. Seifert Kevelaer aus 1997

Luciakapelle, Kapellenstraße, kleiner, verputzter Backsteinbau mit geschweiftem Giebel und dreiseitigem Chorschluß, aus 1616, Dachreiter (mit Glocke aus 1676) auf dem Satteldach, 1893 renoviert; 1977 Außeninstandsetzung; 1988 Innenrenovierung, alte Ausmalung dabei freigelegt, z. T. erneuert; neuer Fußboden. Renoviert 2002/2010.

Kapelle zur Schmerzhaften Mutter in Lind, Backsteinbau mit achtseitigem, wuchtigem Vierungsturm, aus 1912, 1962 erneuert. Glocke aus 1912.

Kreuz mit Kruzifixus, Holz, hl. Antonius, Holz, aus 1875, Pütterhöfen, 1987 restauriert.

Kreuz, Peelsheide, Gußeisen, auf gemauertem Sockel, aus 1986.

Pfarrhaus aus 1888 nach Plänen von Juhus Busch, Neuß, zweigeschossiger Backsteinbau unter Zeltdach, in fünf Achsen, die mittlere erhöht mit Spitzbogennische, darin Steinfigur des Guten Hirten.

Pfarrheim, Pastoratstraße 5, Bungalow aus 1970/71, Umbau 1987, Heinz Dewey.

Kindergarten St. Peter, An St. Peter 13, aus 1951/52.1980 neugestaltet, Arnold Looser, Boisheim; zweigeschossiger Backsteinbau

Pfarre mit 1674 Katholiken HWS, 68 NWS, Zahl der Nichtkatholiken unbekannt.

Vereine: St.-Petri-Schützenbruderschaft aus 1622; St.-Matthias-Schützenbruderschaft Boisheimer Nette aus 1621; St.-Matthias-Pilgerbruderschaft aus 1733; Kirchenchor aus 1863; kfd aus 1895; KLJB aus 1971; Kath. Pfarrjugend St. Peter aus 1982.

Wallfahrten nach Kevelaer und Trier.

Ewiges Gebet am 9. November.

Schrifttum E. Brües, Die Denkmäler der ehemaligen Gemeinde Boisheim, in Heimatbuch des Krs. Viersen 1977, S.80-95; K. Fonyo u. K. Aymanns, Geschichte der Gemeinde Boisheim, Bd. 1, 2.1, 2.2, in: Viersen Beiträge zu einer Stadt, Viersen 1987; K. Fonyo, Viersen-Boisheim, Rhein. Kunststätten, Heft 337, 1988.

 Quelle: Bischöfliches Generalvikariat Aachen (Hg.), Handbuch des Bistums Aachen – dritte Ausgabe - ,1994, S. 900-903

 


Fotos: Uwe Rieder